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HOCHHEIM - „Pav.“ (ausgesprochen „Pehf“), so war er bekannt. Heribert Wagner ist am vergangenen Freitag, am 29. Mai nach langer und schwerer Krankheit Zuhause gestorben. Krank? Nein, das war für ihn ein Fremdwort. Er wurde immer weniger und ist allmählich gegangen.

Zuhause stimmt auch nicht so, denn zu seinem Zuhause zählte auch das Katholische Vereinshaus in der Wilhelmstraße.

Hier hat er sicherlich die meiste Zeit seines Lebens verbracht, sich eingebracht, engagiert, für Menschen, junge Menschen, die Gemeinschaft, selbstlos, uneitel, ehrlich. Gruppenleiter bei der KjG, Pfarrjugendleiter, Cheforganisator von vielen Zeltlagern, Stadtpolitiker, Fastnachter, Dauercoach des Kolping-Hofballetts, Handwerker, Hausmeister.

Pav. war sich für keine Arbeit zu schade: Disco, Renovierung, Dachboden, Keller, vieles trägt seine Handschrift. Für andere da zu sein, war sein Ding. Dabei ging es ihm nie darum, sich zu profilieren. Wenn jemand irgendeine Unterstützung brauchte, Pav. hat einfach gemacht.

Nach dem Abitur am Willigis Gymnasium in Mainz probiert er sich an mehreren Studienfächern, entscheidet sich aber letztlich für eine handwerkliche Ausbildung. So bleibt ihm auch genug Zeit für seine wahre Berufung: Die Betreuung und Förderung junger Menschen. Mit 15 beginnt Pav. (so hat er sich selbst genannt und geschrieben) seine Karriere in der Jugendarbeit als Gruppenleiter in der KjG Hochheim. Nur zwei Jahre später wird er Pfarrjugendleiter und sitzt als Jugendsprecher im Pfarrgemeinderat. Auch als Kommunalpolitiker ist Pav. aktiv und wird mit 17 Vorsitzender der Jungen Union und mit 23 Jahren zum damals hessenweit jüngsten Mitglied einer Stadtverordnetenversammlung. Über Jahre hat er das bis heute stattfindende Zeltlager der KjG organisiert und bis vor Kurzem ist Pav. noch verlässlich zum jeweiligen Ort des Zeltlagers mit der Bahn und einem kleinen Koffer zu Besuch angereist und hat die Gruppenleiter mit Süßigkeiten und der neuesten Ausgabe der Hochheimer Zeitung versorgt.

 

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Pav. beim Einzug in eine KoFaHo-Sitzung. Foto:KjG Hochheim
 

Aus diesem Engagement heraus hat er auch den Frauenhandball bei der TG Hochheim mitinitiiert, weil damals die Mädchen aus den Gruppenstunden auch Handball spielen wollten. Er hat sich nie gefragt, ob er Zeit und die Mittel hat, er fing einfach an. Nicht immer bequem, aber geradeaus und verlässlich.

Nachdem Pav. in Rente gegangen war, hat er noch den Job als Hausmeister im Vereinshaus angenommen und dort als guter Geist gewirkt. Zuverlässig und immer mit Plan hat er aus seinem Räumchen im ersten Stock das Haus betreut und den Eindruck erweckt, als hätte er nie etwas anderes getan.

Noch mehr als um die Räume hat sich Pav. aber um die Menschen gekümmert, die in das Vereinshaus kamen. Egal ob Jugendgruppe, Tanzteam oder Mieter: Auf Pav. konnte man zählen und da sich ein Großteil seines Lebens an diesem Ort abgespielt hat, konnte er auch zu jedem Stein und jeder Fuge eine Geschichte erzählen.

Zu seinem 60. Geburtstag beschrieb ihn Josefa Braam in der Hochheimer Zeitung: „Kraft schöpft Pav. aus seinem tiefen Glauben, Halt geben ihm Familie und Freunde...“

Er war der anspruchsloseste Mensch, den man sich vorstellen kann. Zumindest, wenn es um die üblichen Konsumgüter geht. Smartphone? Fehlanzeige. Wichtigstes Kommunikationsmittel war bis zuletzt ein Telefon mit Wählscheibe. Telefonate dauerten manchmal Stunden. Wichtigstes Fortbewegungsmittel war sein Fahrrad, jahrzehntealt und speziell. Früher hat er mit einem einfachen Fotoapparat sehr viel fotografiert, fast immer die Menschen in seinem Umfeld. Die meisten Bilder hat er in den letzten Jahren an die verschenkt, die drauf waren. So einfach. Einfach so.

Jetzt ist er gegangen. Nein, unmöglich. Nicht nur die großen, auch die kleinen Spuren wird man noch in Jahrzehnten finden. Da ein Schild, dort eine Beschriftung, hier ein Regal, da eine Bank oder ein Stuhl, ein Bild oder ein kleiner Hinweis. „Du bist und bleibst. Im Vereinshaus, in unseren Köpfen und Herzen. Danke Pav.“.

Von Achim Munck und Hendrik Zwaack

Freitag, 05.06.2020